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Jutekiez wird nach drei Jahren Umbau wieder Falkenbrutplatz Turmfalke. Foto Wolfgang Püschel Turmfalken haben nach dreijährigem Umbau der Jutespinnerei wieder ihr Quartier im westlichen Treppenturm des Bauwerks bezogen. „Das Beispiel zeigt deutlich, dass ein Miteinander von Natur und Mensch auch bei Bauvorhaben gut möglich ist. Eine frühzeitige Berücksichtigung von Aspekten des Artenschutzes in der Planungsphase von Bauvorhaben hilft dem Bauherren, gute Lösungen zu finden und wertvolle Zeit in der Bauphase zu sparen. Für eine Beratung zum Artenschutz bei Bauvorhaben steht die Untere Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt Potsdam gern zur Verfügung“, sagt Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt. Bis 2017 brüteten jedes Jahr Turmfalken an der alten Jutespinnerei, welche 1863 im damaligen Ortsteil Nowawes gebaut wurde. Diese befindet sich heute zwischen Nuthe, der S-Bahn und dem Zentrum Ost an der Friedrich List- bzw. Wiesenstraße. Das Gebäude der Spinnerei erinnert optisch an das Schloss Babelsberg und hat architektonisch auch vergleichbare Wurzeln.  Das Gelände lag nach letzter regelmäßiger Nutzung als Lager und gelegentlich als Zirkusstandort lange in einem Dornröschenschlaf, obwohl sich rundherum viel Neues entwickelte. Die Turmfalken brüteten ungestört auf der Westseite des Westturms des prachtvollen alten Ziegelgebäudes in einem blinden Okulusfenster, auch Ochsenauge genannt. Ab 2014 wurde das Gelände dann aus seinem Dornröschenschlaf geweckt: Die Spinnerei wurde zu Wohnungen umgebaut und im Umfeld entstanden weitere Wohngebäude. Während der Bautätigkeit wurde, angeregt durch den Naturschutzbund (Nabu), im Jahr 2017 ein Ersatzquartier an einem nahen Baum geschaffen. Dieses haben diese jedoch nie bezogen. Am Gebäude selbst konnten oder wollten die Tiere auch von 2018 bis 2019 nicht mehr brüten. Das lag sowohl am Baugeschehen als auch daran, dass im Jahr 2018 Ringeltauben zu Beginn der Brutsaison schneller am Falkennistplatz waren und ihn beanspruchten. Diese Vögel sind etwas größer als Turmfalken, die nur circa 35 Zentimeter groß werden. Der engagierte Potsdamer Ornithologe Wolfgang Püschel, der auch für den Naturschutzbund (Nabu) aktiv ist, beobachtete die Turmfalken, die eine nicht häufig vorkommende Greifvogelart sind, schon viele Jahre. Nach Abschluss der gröbsten Bauarbeiten im Januar 2019 begann er mit Bemühungen, den alten Nistplatz zur Aufzucht der Jungen wiederherzurichten. Gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt sowie mit Hilfe der Bauunternehmen und des Projektentwicklers vor Ort konnte der Nistplatz wiederhergestellt werden, bevor das Brutgeschehen begann. Der Taubennistplatz wurde zurück auf die Südseite des Turms gebracht, wo die Tauben schon vorher gebrütet hatten, indem das Nistmaterial von dem westlichen in das südliche Ochsenauge übertragen wurde. Der Falkennistplatz wurde mit Sand und Kalk- und Muschelsplit als Nistmulde ausgestreut und so für eine neue Brut präpariert. Leider kamen im letzten Jahr keine Turmfalken zu dem neu eingerichteten Brutplatz. Doch in diesem Jahr ist ein Falkenpaar wieder eingezogen. Nun sind sie wieder gut mit ihrem hohem Trillern zu hören und jagen im Umfeld der alten Spinnerei in ihrer angestammten, etwas veränderten Umgebung von Babelsberg. In Potsdam weisen viele, vor allem alte Bauten – oft mit runden Brutnischen, sozusagen als Felsersatz Falkenbrutpaare auf. So zum Beispiel auch das Potsdamer Rathaus, wo man die Tiere immer wieder hört und mit etwas Glück gut beobachten kann. Der wissenschaftliche Name Tinnunculus bedeutet „schellend, klingend“ und hängt mit den charakteristischen, hellen Rufreihen zusammen. In Potsdam gibt es etwa zehn bis 15 Turmfalkenbrutpaare (in Deutschland circa 50 000. Die Vögel sind gute Kleintierjäger und beseitigen so auch Mäuse, vorwiegend Feld- und Wühlmäuse. Charakteristisch ist ihr Rüttelflug bei der Jagd, wo sie in großer Höhe auf eine Beobachtungsposition gehen und nach Beute spähen. Als Paar sind sie sich treu.

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News veröffentlicht am 12.05.2020

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